Konzeption des Kinder- und Jugendzirkus Maroni

Die Welt des Zirkus

1. Pädagogische Ziele

1.1 Selbstbewusstsein und Mut
1.2 körperliche Ausdrucksfähigkeit
1.3 Erfahrungen in der Gruppe

2. Aufnahme

3. Bereiche im Kinder- und Jugendzirkus

3.1 Zirkustruppe des Kinder- und Jugendzirkus
3.2 Zirkusdirektoren
3.3 Jugendbereich
3.4 Jugendtrainer
3.5 Zirkusband

4. Proben

5. Trainer

6. Elternmitarbeit

6.1 Pädagogische Mitarbeit
6.2 Technische Zusammenarbeit
6.3 Gemeinsame Aktivitäten

7. Aufführungen

7.1 Bedeutung der Auftritte
7.2 Auftrittsmodalitäten

8. Der Verein Kinder- und Jugendzirkus Maroni e.V.


Die Welt des Zirkus

1989 wurde auf Grund der Initiative des Dobelhauses in Boll der Kinderzirkus Robinson aus Zürich engagiert. Die Resonanz bei Eltern und Kindern war so groß, dass das Dobelhaus, vertreten durch Isolde Freudenberg, einen Zirkuskurs für Kinder anbot. Dieser Kurs weckte das Interesse, daraus eine ständige Einrichtung zu machen. 2 Jahre lang leistete das Dobelhaus die organisatorische Arbeit, dann wurde ein Trägerverein gegründet.

Zirkus hat viele Gesichter. Faszination einer fremden Welt, poetische Bilder, ausgelassenes Lachen, ein Publikum, das vor Spannung den Atem anhält, artistisches Können und gekonnte Täuschung, Arbeit, Ausdauer und Freude. Die Manege lebt.

Unser Zirkus versteht sich als gemeinsames Projekt von Eltern, Kindern und Jugendlichen (Familienzirkus), als Erfahrungsfeld für alle Beteiligten, als lebendiges Kunstwerk, das Spaß machen soll, den jungen Artisten, den Trainern, den beteiligten Eltern und nicht zuletzt dem Publikum.

Das gemeinsame Kunstwerk Zirkus wird von einer großen Gruppe – ca. 100 Menschen – in eigener Initiative und freier Kooperation gestaltet. Aufeinander angewiesen zu sein und sich aufeinander verlassen zu können, sind wichtige positive Erfahrungen. Dazu gehört es , die Verschiedenheit des jeweiligen individuellen Beitrags (z.B. artistische Leistung, Entwurf eines Programms, Trainingsleitung, Aufbauen des Zeltes, Organisation usw.) entsprechend den unterschiedlichen Aufgaben, Möglichkeiten und Fähigkeiten der Einzelnen zu akzeptieren. Schwierigkeiten, Konflikte, Konkurrenz etc. sind selbstverständlicher Bestandteil eines solchen Unternehmens. Es geht darum, sich immer wieder um Lösungen zu bemühen. Dies gilt für alle Beteiligten, für die Kinder und Jugendlichen wie für die Erwachsenen.

Die Aufführungen können so zu großartigen Erlebnissen werden. Sie vermitteln Freude, Begeisterung, Stolz und das Gefühl befriedigender Verbundenheit mit den anderen Beteiligten.

Im Zentrum des Kinder- und Jugendzirkus stehen die Kinder und Jugendlichen. Als Eltern und Trainer verbinden wir mit der Zirkusarbeit erlebnispädagogische Ziele und Hoffnungen.

1. Pädagogische Ziele

1.1 Kreativität, Selbstbewusstsein und Mut zur Aktivität

Die Erfahrungen im Zirkus sollen den Kindern und Jugendlichen helfen nicht vor den eindrucksvollen Leistungen anderer zu erstarren, oder vor professioneller Perfektion (Fernsehen/Show) zu kapitulieren, sondern die Begeisterung in Energie zur eigenen Weiterentwicklung umzusetzen. Statt sich an nur passivem Konsum zu fixieren, sollen sie den Mut zur Aktivität stärken. Etwas gemeinsam zu schaffen und sich damit stolz zeigen zu können, soll die Weiterentwicklung von Selbstvertrauen, Selbständigkeit und Eigenverantwortlichkeit, sowie ein gesundes Verhältnis zu sich selbst fördern.

Leistung kann so als Bestandteil eines lebendigen, lustvollen und kreativen Geschehens erlebt werden. Dazu gehört es auch, mit Verbindlichkeiten umzugehen, Pflichtbewusstsein und Durchhaltevermögen zu erlernen.

1.2 Körperliche Ausdrucksfähigkeit und Fertigkeiten
Gefördert werden sollen artistische Fähigkeiten, körperliche Geschicklichkeit, Körperbewusstsein, Körperwahrnehmungen, Artikulationsfähigkeit sowie künstlerischer Ausdruck und Kreativität.
Angeboten werden z.B. Akrobatik, Trapez, Jonglage, Zauberei, Clownerie, Einrad und Hochrad, Tanzen, Seillaufen.
Angesichts vielfältiger circensischer Möglichkeiten und Angebote soll der Einzelne seinen Platz finden, eigene, nicht zu eng gefasste Schwerpunkte setzen. Er soll lernen, ein realistisches Verhältnis zu eigenen Möglichkeiten zu erlangen, für sich selbst passende Ziele zu finden und sich der Herausforderung des nächsten Schwierigkeitsgrades einer Übung zu stellen.

1.3 Erfahrungen in der Gruppe
Das lebendige Kunstwerk Zirkus als Gruppe zustande zu bringen, kann das Vertrauen in kollektive Möglichkeiten stärken und das Erlebnis vermitteln, als Gruppe etwa zu leisten und als Einzelner trotzdem nicht unterzugehen. Wir wünschen unseren Kindern und Jugendlichen die Erfahrung, dass sich Stärkere und Schwächere gegenseitig brauchen und dass beide einen wesentlichen Beitrag zum Gemeinsamen erbringen.

Im Zirkus sollen soziale Fähigkeiten und soziales Verhalten gefördert werden, z.B. die Fähigkeit zuzuhören, sich mitteilen zu können, kooperativ, solidarisch, kritisch und auseinandersetzungsfähig miteinander umzugehen und einander zu achten. Die alters- und geschlechtsgemischte Gruppe ermöglicht hierbei vielfältige Erfahrungen.

2. Aufnahme

Aufgenommen werden Kinder aus Boll und Umgebung. Eine Aufnahme ist möglich soweit ein Platz frei ist. Derzeit sind nicht mehr als 40 Kinder- und Jugendliche im Zirkus. Das Aufnahmealter beträgt mindestens 9 Jahre. Die Kinder müssen keine besonderen sportlichen oder circensischen Fähigkeiten mitbringen. Entscheidend ist, dass das jeweilige Kinde mit Interesse und Spaß an die Zirkusarbeit geht und dass der Kinder- und Jugendzirkus Maroni ihm auch gerecht werden kann.
Interesse und Bereitschaft der Eltern im Kinder- und Jugendzirkus Maroni mitzuarbeiten ist Voraussetzung für eine Aufnahme.
Zur Finanzierung des regelmäßigen Trainings wird ein monatlicher Beitrag erhoben, der in Einzelnfällen ermäßigt werden kann.
Über die Aufnahme entscheidet der Vorstand nach den Bedürfnissen des Zirkus in Absprache mit den Trainern.

Siehe auch Aufnahme.

3. Bereiche im Kinder- und Jugendzirkus Maroni

3.1 Die Zirkustruppe

In der Zirkustruppe, dem Kernbereich des Kinder- und Jugendzirkus Maroni werde die Grundkenntnisse in den verschiedenen Zirkusdisziplinenvermittelt. Die erlernten Fähigkeiten werden in Zirkusnummern umgesetzt, die dann im Zirkuszelt oder bei anderen Gelegenheiten, im kleineren oder größeren Rahmen aufgeführt werden.

3.2. Zirkusdirektoren
Die Direktoren, ein Mädchen und ein Junge, werden von den Artisten jährlich gewählt. Wiederwahl ist möglich. Sie sind Bindeglied zwischen Trainer und Artisten, sind intensiver an der Programmgestaltung beteiligt und können an der Trainerbesprechung teilnehmen. Während des Auftritts können sie durch das Programm führen.

3.3 Jugendbereich
Für die älteren Jugendlichen gibt es verschiedene Möglichkeiten, sich weiter unter dem großen Dach des Kinder- und Jugendzirkus Maroni zu engagieren. Sein Ziel ist es, kleinere Auftritte selbständig zu inszenieren, wobei hier die Ausbildung schauspielerischen Improvisationstalentes im Vordergrund steht. Der Zirkus stellt für diesen Bereich seine Erfahrung zur Verfügung.
Die Jugendgruppe ist eine Erweiterung der bisherigen Arbeit des Kinder- und Jugendzirkus Maroni, die von den zukünftig betroffenen Eltern und Jugendlichen in Absprache mit den zuständigen Organen des Kinder- und Jugendzirkus Maroni konzeptionell entwickelt werden soll. Geklärt werden müssten z.B. Art und Umfang der Anbindung an den Verein, Formen der Zusammenarbeit, Training und Trainer, Beiträge, Verantwortlichkeiten für Auftritte usw.

3.4 Jugendtrainer
Ehemalige Mitglieder der Zirkustruppe können als Jugendtrainer aufgenommen werden. Sie können sich in allen Bereichen mitgestalten einbringen.

3.5. Zirkusband
Die Zirkusband ist ein wichtiges Element der künstlerischen Seite des Zirkus. Sie arbeitet weitgehend selbständig. Die Auftrittsplanung erfolgt gemeinsam.

4. Zirkusprobe

Das regelmäßige Training ist für die Artisten unerlässlich. Sie können ihre bereits vorhandenen Fähigkeiten verbessern oder Kenntnisse in neuen Bereich erwerben. In der großen Gemeinschaft von Mädchen und Jungen, jüngeren und älteren Zirkuskindern werden soziale Kontakte gepflegt.

Die Probe wird grundsätzlich mit einem Aufwärm- und Krafttraining begonnen. Den Artisten werden anschließend verschiedene Bereiche angeboten, in welchen sie teils selbständig, teils unter Anleitung proben können. Gemeinsam wird das Programm in dieser Zeit erstellt oder verändert. Zu dessen Erarbeitung und Festigung wird in kleineren Gruppen geprobt.

Am Ende des Trainings finden regelmäßige Aussprachen in kleinen Gruppen statt. Diese beinhalten u.a. Gruppenverhalten, Leistung, Programmgestaltung und Auftrittsplanung. Sie ermöglichen den Trainern, den Kindern und Jugendlichen Rückmeldung zu geben und bieten den Kindern und Jugendlichen die Gelegenheit, ihre Eindrücke und Wünsche auszusprechen.

Geprobt wird zweimal wöchentlich (insgesamt 5 Stunden). Vor Auftritten kommen weitere Probeeinheiten hinzu. Für spezielle Disziplinen wird ein gesondertes Training angeboten.

Einmal jährlich findet eine Zirkusfreizeit statt, in welcher neben gemeinsamer Freizeitgestaltung auch intensive Proben stattfinden.

5. Trainer

Die Trainer haben die Aufgabe, den Zirkuskindern die verschiedenen Aktivitäten aus dem Zirkus anzubieten, sie darin auszubilden und sie in allen diesbezüglichen Fragen zu beraten. Gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen erarbeiten sie das Programm für anstehende Aufführungen. Sie helfen auch dabei, die Kontakte zwischen den Kindern herzustellen und zu pflegen.

Die Trainer müssen Kenntnisse der verschiedenen Zirkusdisziplinen besitzen, in der Lage sein, die pädagogische Arbeit umzusetzen und die nötige Offenheit und Kooperationsbereitschaft gegenüber den Eltern mitbringen. Für die Arbeit im Zirkus ist eine ständige Fortbildung der Trainer und der Kontakt zu anderen Zirkussen wichtig.

Die Zirkusprobe wird von hauptverantwortlichen Trainern angeleitet. Sie sind für die Kinder und Jugendlichen verbindliche Bezugsperson. In ihrer Arbeit werden sie durch weitere Co-Trainer unterstützt, die z.B. gezielt einzelne Zirkusdisziplinen lehren oder andere begrenzte Aufgaben wahrnehmen. Die Trainer arbeiten in einem Team und gestalten das Programm in kooperativer Zusammenarbeit. In regelmäßigen Abständen treffen sie sich und besprechen anstehende Themen.

6. Elternmitarbeit

6.1 Pädagogische Mitarbeit

Wichtig sind Offenheit und Gesprächsbereitschaft aller Beteiligten, gerade auch in pädagogischen Fragen. Diese Elternarbeit findet vor allem in zwei Formen statt:
1. Eltern und Trainer können im Einzelgespräch anstehende Fragen klären, gemeinsam über die Entwicklung des Kindes reden und Erfahrungen austauschen.
2. In den Elternabenden wird die Gestaltung des Zirkus im wesentlichen festgelegt. Die regelmäßige Teilnahme der Eltern ist deshalb Voraussetzung für die gewünschte aktive Mitarbeit.
Mindestens zwei Elternabende im Jahr sollen sich ausschließlich mit pädagogischen Fragen befassen. Die Leitung der Elternabende kann von verschiedenen Personen wahrgenommen werden.

6.2. Technische Zusammenarbeit
Damit eine Aufführung gelingen kann, ist sehr viel Arbeit erforderlich – ob es um das Schneidern von Kostümen geht, um das Bauen von Requisiten, ob die Beleuchtung aufgebaut werden muss, das Zirkuszelt aufgestellt und ausgestattet werden soll, die Kinder umgezogen und geschminkt werden müssen oder zwischen den Nummern die Manegenausstattung gewechselt werden soll, um nur einige Beispiele zu nennen.

Ein verbindlicher Organisationsplan stellt die Arbeitsfelder dar und ermöglicht den Eltern nach Kräften und Fähigkeiten Verantwortung für Teilbereiche zu übernehmen.

6.3. Gemeinsame Aktivitäten
Außerhalb des üblichen Zirkusbereichs gibt es weitere Aktivitäten. Freizeiten, Feste und geselliges Beisammensein, Ausflüge oder Besuche externer Zirkusveranstaltungen. Neue Zirkusfamilien können auf diese Art integriert werden.

7. Aufführungen

7.1 Bedeutung der Auftritte
Höhepunkt jeder Zirkusarbeit ist der Auftritt. Hier wird das über einen Zeitraum erarbeitete Programm einem Publikum vorgestellt. Es soll den Möglichkeiten der jeweiligen Zirkustruppe entsprechend gestaltet, ansprechend, spannend und unterhaltsam sein. Die Artisten sollen versuchen, ihre je nach Begabung, Entwicklungsstand und Kenntnissen verfügbaren Fähigkeiten mit vollem Einsatz in der Manege zum Ausdruck zu bringen.

Wenn die Kinder und Jugendlichen ein Ziel vor Augen haben, bekommt das Üben größere Ernsthaftigkeit und Intensität. Durch den bevorstehenden Auftritt sind daher oft erstaunliche Entwicklungssprünge möglich. Der Beifall des Publikums belohnt die dargebrachte Leistung und stärkt somit das Selbstbewusstsein jedes einzelnen Kindes.

7.2 Auftrittsmodalitäten
Die Flexibilität des Zirkus ermöglicht Aufführungen im Freien,, in einer Turnhalle, in einem Zirkuszelt oder in kleineren Räumlichkeiten. Sie können in Form von selbständig organisierten Auftritten (z.B. Premiere im Zelt), von Engagements kulturtreibender Institutionen oder anlässlich von Gemeinde- und Vereinsfesten stattfinden.
Für die Artisten ist ein regelmäßiges Vorzeigen des Programms sinnvoll. Die maximal 6 Auftritte pro Jahr (mit dem gesamten Programm) sollten gleichmäßig verteilt werden. Darüber hinaussind kleinere Aufführungen mit Programmausschnitten möglich.
Die gesamte Auftrittsplanung geschieht in Absprache zwischen Kindern und Jugendlichen, Eltern, Vorstand und Trainern.

8. Der Verein Kinder- und Jugendzirkus Maroni e.V.

Der Verein Kinder- und Jugendzirkus Maroni e.V. ist der Rechts- und Wirtschaftsträger des Kinder- und Jugendzirkus. Der Vereinsvorstand regelt die laufenden Geschäfte des Kinder- und Jugendzirkus, z.B. Finanzen, Öffentlichkeitsarbeit, Organisation, Verhandlungen mit Veranstaltern von Auftritten. Er versteht sich als Partner im Gespräch über die pädagogischen Belange des Kinder- und Jugendzirkus mit allen an ihm Beteiligten. Er lädt zu den Elternabenden ein und klärt wer den jeweiligen Abend leitet und gestaltet.
Einzelne Aufgabenbereiche können an selbständige Arbeitsgruppen ganz oder teilweise delegiert werden.
Zwischen Vorstand, Eltern (Elternabend, Mitgliederversammlung, Arbeitsgruppen) und Trainern besteht eine ständige, enge Zusammenarbeit.

Kinder- und Jugendzirkus Maroni e.V.
April 1996

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